Blick zurück nach vorn. Historische Ausstellungen in den 70er Jahren

Literaturkenntnis schützt vor Neuentdeckungen. Das gilt auch im übertragenen Sinne für Ausstellungen: Wer viele kennt, sieht weniger Neues. In diesem Sinne erweitert der von Mario Schulze, Anke te Heesen und Vincent Dold herausgegebene schmale Band (124 s.) „Museumskrise und Ausstellungserfolg. Die Entwicklung der Geschichtsausstellung in den Siebzigern“ den Horizont.Auf jeweils 15 Seiten werden historische Ausstellungen in der Bundesrepublik Deutschland kurz dargestellt. Es finden sich die wichtigsten Fakten wie Verantwortliche, Finanzierung, Besucherzahlen usw., konzise Informationen zu Inhalt, Konzept, Gestaltung und Rezeption, sowie einige aussagekräftige (schwarz-weiß) Fotos. Die knappe Einleitung umreißt hilfreich den Rahmen und weist auf echte Innovationen und Aufbrüche hin.

Konkret werden behandelt:

  1. 1871 – Fragen an die deutsche Geschichte, Berlin 1971
  2. Historisches Museum Frankfurt, eröffnet 1972
  3. Römisch-Germanisches Museum Köln, eröffnet 1974
  4. Museum der Stadt Rüsselsheim, eröffnet 1976
  5. Die Zeit der Staufer, Stuttgart 1977
  6. Le Musée sentimental de Cologne, Köln 1979
  7. Preußen – Versuch einer Bilanz, Berlin 1981

Die Zusammenstellung und die gewählte, auf das Notwendige reduzierte und über die Beiträge hinweg gut vergleichbare Darstellung heben den Sammelband wohltuend heraus. Der Anspruch ist der einer knappen Darstellung und Dokumentation, nicht einer ausufernden Analyse. Und mit dieser klugen Selbstbeschränkung dürfte sich das Buch als beständig nützlich erweisen. Dass es noch viel zu untersuchen gäbe, nicht zuletzt auch die internationalen Beziehungen zwischen verschiedenen Ausstellungen, versteht sich von selbst, schmälert aber nichts. Allerdings bedeutet das zumindest auch, dass die These, die 197oer Jahre seien die (eine?) „Sattelzeit historischer Ausstellungen“ noch auf echte Prüfung wartet …

Mario Schulze, Anke te Heesen u. Vincent Dold (Hg.), Museumskrise und Ausstellungserfolg. Die Entwicklung der Geschichtsausstellung in den Siebzigern, Berlin: Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte, Institut für Geschichtswissenschaft, Humbold-Universität zu Berlin, 2015

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s