Things to Come. Eine Reise durch die Galaxien des Sci-Fi-Films – von Anna Karl

THINGS TO COME. Eine Reise durch die Galaxien des Sci-Fi-Films – von Anna Karl

Wer macht sich heutzutage keine Gedanken über die Zukunft? Über die Dinge, die kommen werden? Gerade in Zeiten von Krieg, Klimakatastrophen und Datensammlern sind Zukunftsängste immer wieder Thema – verarbeitet wird dies vor allem auch in der Filmbranche. So lassen sich meist aus dem Inhalt eines Science-Fiction-Films die Probleme und Ängste der Zeit ablesen, in der er entstanden ist.

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Werbegrafik zur Ausstellung „THINGS TO COME. Science – Fiction – Film“ © Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Die Ausstellung „THINGS TO COME. Science – Fiction – Film“, die noch bis zum 23. April 2017 im „Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen“ in Berlin zu sehen ist, widmet sich dieser Thematik filmisch. Eine Präsentation genau zu diesem Thema ist gut gewählt, denn das Genre des Science-Fiction-Films boomt wie nur wenige andere. So erkannte auch die Filmindustrie früh das Potential dieser Inhalte und Filme wie „Le voyage dans la lune“ (1902) entstanden. Der Franzose Georges Méliès wählte Romane von Jules Verne und H.G. Wells als Vorbild und erschuf mit seinem Film den Anfang des Science-Fiction-Genres. Die museale Aufbereitung der Materie gestaltet sich schwierig, denn Filme lassen sich nur schwer ausstellen. Sie sind dynamisch, allerdings immer nur zwei-, manchmal auch dreidimensional ausstellbar. Zudem ist es schwierig, einen Film in einem Kontext auszustellen, denn um diesen verstehen zu können, müsste er eine längere Zeit lang abgespielt werden. Dem Kuratorentrio Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz ist dies jedoch durch eine gelungene Mischung aus 300 verschiedenen Exponaten wie Filmausschnitte, Requisiten, Zeichnungen und vielem mehr durchaus gelungen. Auf drei Etagen werden die Objekte in drei Themenbereichen, die zentrale Aspekte von Science-Fiction-Filmen aufgreifen, präsentiert.

Von fernen Welten

„Der Weltraum“ – fremde Planeten, Sterne, Galaxien. Das alles versucht der Mensch zu verstehen und bricht deshalb immer wieder zu Expeditionen in fremde Welten auf. So wurde das Weltall Schauplatz zahlreicher Filme. Als vollkommener, aber interessierter Laie auf dem Gebiet Science-Fiction-Filme betrat ich neugierig durch einen dunklen Vorhang im ersten Stock die Ausstellung und begann meine ganz persönliche Expedition. Zum Einstieg in das Thema zählt auf einer großen Leinwand ein Countdown runter, woraufhin man Zeuge eines Raketenstarts wird. Gezeigt werden hier neun Ausschnitte von Filmen wie „Le Voyage dans la lune“ (1902) oder „Interstellar“ (2014). Zeichnungen von Raketen und Raumfahrt ergänzen die Eröffnung des Themas.

Um in den nächsten Raum zu gelangen, muss man durch die Leinwand hindurchtreten. Ein Pfeil auf dem Boden weist den Weg, trotzdem zögert man einen kurzen Augenblick die Leinwand mit dem Film, den sich andere Besucher anschauen, beiseite zu schieben. In den dahinterliegenden Räumen finden sich Kostüme von berühmten ‚realen Raumfahrern‘, aber auch von Filmstars wie Captain Kirk, den sogar ich kenne.

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Blick in den Bereich „Der Weltraum“, mit Modellen, Kostümen und Hörstation © Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Foto: Marian Stefanowski, Berlin.

Informationen gibt es hier nicht nur zu den filmischen Astronauten, sondern auch zu ‚echten‘, wie Alexander Gerst aus Deutschland. Bilder und Zeichnungen von Raumanzügen sowie kleine Modelle von Raumschiffen ergänzen die Ausstattung. Informationen bekommt der Besucher hier neben Objektschildern und Raumtexten durch zahlreiche Filmausschnitte und Hörstationen. Die Szenographie versetzt den Besucher durch weiße Korridore, Fensterluken und eine Kommandobrücke an Bord eines Raumschiffes. Der auf den ersten Blick wie eine interaktive Medienstation anmutende Kommandostand enttäuscht leider auf den zweiten Blick – zu sehen und hören sind lediglich einige Filmsequenzen mit Kommentaren zur Raumfahrt.

Dieser erste Rundgang wird ebenfalls durch eine bespielte Leinwand verlassen, woraufhin man sich im Aufzugsbereich wiederfindet und auf eben jenen warten muss – wenn man Pech hat auch länger – um in den zweiten Stock zu gelangen. Durch die Aufzugsfahrt in die zweite Etage wird der „Ausstellungsflow“ leider völlig durchbrochen. (Wahrscheinlich gibt es auch eine Treppe, mir war jedoch nicht ersichtlich wo, nirgends wird darauf hingewiesen. Durch die Aufzüge ist die Ausstellung barrierefrei, lediglich an einer Stelle gibt es Treppen hoch zu einem Film.) Deshalb ist es auf jeden Fall sinnvoll gewählt, die Ausstellung nicht chronologisch, sondern thematisch aufzubauen.

Zukunftsszenarien

Während der erste Themenbereich außer dem klinischen Weiß in Rot gehalten wurde, ist die beherrschende Farbe im zweiten Stock Braun. Ängste und Gedanken über „Die Gesellschaft der Zukunft“ werden hier thematisiert. Der Gegensatz von Reich und Arm sowie das Leben unter und mit Robotern stehen im Vordergrund.

Es gibt nur einen großen Raum mit zwei abgeteilten Bereichen: Zum einen ein helles Loft, stellvertretend für die Wohnungen der Reichen, in dem man auf einem Monitor die Besucher außerhalb des Raum beobachten kann. Die Kameras symbolisieren die Angst vor einem totalen Überwachungsstaat. Zum anderen ein dunkler Raum, der für das Ghetto der ärmeren Bevölkerung steht. In beiden Räumen werden passend zum Thema Filmausschnitte gezeigt. Im „Ghetto“ wird durch Massenerschießungen zum ersten Mal deutlich, warum die Ausstellung erst ab 14 Jahren geeignet ist. Etwas irritiert steht man nun am dunklen Ende des Raums und sucht vergeblich eine Leinwand, aus der es wieder rausgeht. Doch hier muss man durch den Saal wieder zurück zum Eingang, wodurch immer ein kleines Gedränge in der Raummitte entsteht. Als Science-Fiction-Laie waren mir in diesem Teil der Ausstellung nicht alle Zusammenhänge und Vitrinen klar, da die Objektschildchen meist nur Filmtitel enthielten, ich diese aber nicht kannte und so nicht in Bezug zum Thema setzen konnte.

Wir oder sie?

Ein kleines Schild am Eingang des dritten Themenbereichs in der vierten Etage weist darauf hin, dass folgender Part für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet ist. „Das Fremde“: in unseren Köpfen gibt es viele Vorstellungen von extraterrestrischem Leben. Dieser Ausstellungsteil, in blau gehalten, widmet sich Begegnungen der dritten Art, egal ob von Menschen auf anderen Planeten oder von Außerirdischen auf der Erde. In letzterem Szenario wollen diese meist die Erdbevölkerung versklaven oder vernichten, dann heißt es nur noch „Wir oder sie!“. Bei der Darstellung von fremden Planeten oder Aliens ließen die Filmemacher ihrer Phantasie freien Lauf, was die gezeigten Filmausschnitte, Skizzen und Alienpuppen eindrücklich beweisen.

In einem klinisch weißen Raum, der mit einer separaten Schwingtüre abgeteilt ist, tummeln sich die gruseligsten von ihnen. Einige Filmszenen, in denen Menschen außerirdische Lebewesen medizinisch untersuchen, werden auf einem Tisch abgespielt. Passend zur Szenographie eines Labors, befindet sich am hinteren Ende des Raums eine weiße Liege. Wenn man mutig genug ist, sich hinzulegen, kann man an der Decke Filmausschnitte mit Menschen, die als „Alien-Wirte“ dienen, anschauen – z. B.  schneidet sich eine Frau einen Alien aus ihrem Bauch („Prometheus – Dunkle Zeichen“ 2012).

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Liege und Medientisch im Ausstellungsbereich „Das Fremde“ © Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Foto: Marian Stefanowski, Berlin.

Danach möchte man so schnell wie möglich runter von der Liege. In einem letzten dunklen Raum flimmern weitere Sequenzen über eine Leinwand, in denen Menschen von Aliens in Besitz genommen wurden – gruselig, aber dennoch faszinierend.

Wer nun noch Muße hat, kann sich in der separaten Mediathek im vierten Stock Filme zur Fernsehgeschichte des Genres anschauen.

Things to say

Die Kuratoren, und natürlich die Besucher, dürfen sich über ganz besondere Exponate freuen, sogar aus Hollywood kamen Leihgaben, z. B. stellte George Lucas einige seiner Entwürfe zur Verfügung. Grundstock der Ausstellung bilden natürlich Filmszenen, Kostüme, Requisiten und Modelle. Komplettiert wird die Zusammenstellung von Fotos, Entwürfen zu Planeten, Raumschiffen und Außerirdischen. So werden Informationen durch eine gute Mischung aus Film, Requisiten, Zeichnungen und Hörstationen vermittelt.

Wenig vertreten sind jedoch Texte: Kurze Raumtexte verschaffen einen Überblick über die Themen, Objektschilder bezeichnen die einzelnen Objekte und die dazugehörigen Filme. Besucher müssen so nicht viel lesen und können sich stärker auf die Exponate konzentrieren. Eventuell werden Zusammenhänge dadurch nicht komplett verstanden. Außerdem beinhalten die Texte teilweise schwierige Fachbegriffe. Die meisten Objektschilder sind zudem viel zu niedrig und im Dunkeln angebracht. Leider kann sich der Besucher auch an keiner interaktiven Medienstation austoben, obwohl sich das Thema durchaus dafür anbieten würde.

Die Szenographie der Ausstellungssäle ist an die jeweilige Thematik angepasst, wobei die Trennung in die drei Bereiche sehr gut gelungen ist. Im Bereich über den Kosmos bekommt der Besucher durch den Kommandostand, die Fensterluken und den Hyperschlafraum den Eindruck, sich in einem Raumschiff zu befinden. Im zweiten Abschnitt führen das dunkle Ghetto der Unterdrückten und das helle Loft der Reichen künstlerische Visionen der Zukunft vor Augen. Der dritte Teil gibt zunächst Einblicke in Gestaltung von fremden Planeten. In einem weißen Labor mit Liege und Tisch kann man daraufhin Forschern bei der Untersuchung von Aliens zusehen. Die Beleuchtung der Räume ist passend abgestimmt, entweder klinisch hell oder dunkel. Das Design mutet recht schlicht an, was jedoch die Exponate hervorhebt.

Kritisch reflektiert wird in der Ausstellung nicht, es werden lediglich verschiedenste Szenarien über das Fremde im All und unsere Zukunft unkommentiert vorgestellt. Gerade zur Gesellschaft in der Zukunft hätte man kritische Punkte anbringen oder Entwicklungen vorstellen können, die sich aus der Gegenwart entwickeln könnten.

„THINGS TO COME“ richtet sich genauso an Liebhaber von Science-Fiction, wie auch an Laien, die sich für Außerirdisches interessieren. Auch für Familien ist die Schau geeignet, jedoch ist es wirklich empfehlenswert, sich an die Altersbeschränkung zu halten, auch wenn im Gästebuch sogar Familien mit 1-jährigen Kindern von der Ausstellung schwärmen. Wie bereits erwähnt kannte ich als Laie kaum einen der erwähnten Filme. Manchmal verstand ich so die Zusammenhänge bzw. eine Vitrine nicht im Kontext des Themas, obwohl das eigentlich aus der Ausstellung hervorgehen sollte. Trotzdem gab es einige Überraschungen und viel Neues für mich zu entdecken, den Großteil konnte ich auch ohne Vorwissen problemlos verstehen. Vor allem die bunten und phantasievollen Entwürfe und Modelle zu Planeten und Aliens sowie die Filmausschnitte bewegten mich dazu, mir Zuhause einige Sci-Fi-Filme anzusehen. Zum Schluss ertappte ich mich selbst auch bei Gedanken zum Leben außerhalb der Erde, zur eigenen Zukunft sowie zur Zukunft unseres Planeten.

Wissenschaft – Fiktion –  Film, all das bringt die Ausstellung gelungen zusammen und ermöglicht einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in die Welt des Science-Fiction.

Außerhalb der Ausstellung kann man sich durch mehrere Möglichkeiten zur Materie informieren: Neben einem Trailer thematisiert der Katalog unter anderem durch Fotos aus der internationalen Filmgeschichte und Experteninterviews das Genre Science-Fiction und die Ursachen seines aktuellen Erfolgs. Unter dem Hashtag #scifiberlin finden sich einige Twitterbeiträge zur Ausstellung.

 

„THINGS TO COME. Science – Fiction – Film“

Deutsche Kinemathek –  Museum für Film und Fernsehen:  https://www.deutsche-kinemathek.de/ausstellungen/2016/things-to-come

  1. Juni 2016 bis 23. April 2017

 

Kuratierung:  Kristina Jaspers, Nils Warnecke, Gerlinde Waz

Gestaltung: Franke ǀ Steinert, Berlin (Architektur); Jan Drehmel, Berlin (Grafik)

Katalog: Kristina Jaspers, Nils Warnecke, Gerlinde Waz [Hg.]: Things to Come. Science · Fiction · Film. Berlin 2016

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