Als Archäologe/in das Altertum erkunden: Römer oder so – von Christina Rajkovic

Als Archäologe/in das Altertum erkunden: Römer oder so – von Christina Rajkovic

Wie arbeiten Archäologen/innen? Wie wird aus einer zerbrochenen Tasse, Schale oder Haarspange Wissen über die jeweilige Zeit gewonnen? Was sagen uns diese Gegenstände und woher können wir sicher sein, dass wir auch das Richtige herausfinden?

Wie arbeiten Archäologen/innen? Wie wird aus einer zerbrochenen Tasse, Schale oder Haarspange Wissen über die jeweilige Zeit gewonnen? Was sagen uns diese Gegenstände und woher können wir sicher sein, dass wir auch das Richtige herausfinden?

Die Ausstellung „Römer oder so“ ist die richtige Adresse, um sich mit solchen und ähnlichen Fragen auseinanderzusetzen. In dieser Ausstellung erfährt man nicht nur wie Archäologen/innen Ausgrabungen durchführen und (er-)forschen, sondern auch gleich etwas zur Geschichte der Römer des Bundeslandes Vorarlberg, in Österreich.

Ausstellungsstart - (c) Markus Tretter

Ausstellungsstart, Foto: Markus Tretter

Aha! So also finden die Archäologen/innen die Geschichten!

Zu Beginn des Ausstellungsrundgangs gibt es die Möglichkeit einen kurzen einführenden Zeichentrickfilm anzusehen. Der Film, in welchem zwei Archäologinnen ihre Arbeit vorstellen, ist ein guter Start für alle Altersgruppen. In einer angenehmen Lautstärke und mit sehr verständlichem Vokabular erfahren die Besucher/innen interessante Details zum archäologischen Arbeiten: wann und wo die ersten Objekte in Vorarlberg gefunden wurden, welche Werkzeuge dafür verwendet wurden und inwiefern sich daraus ableiten lässt, wie die Römer ausgesehen und gelebt haben.

Alles startet im Jahre 1924 mit dem Fund einer Bestattungsstätte aus dem Jahr 400 n.Ch. Das Grab enthält Halsschmuck, Armreifen aus Bronzen, Knochen und Perlen und liegt in der Nähe einer Siedlung. Auch wenn der/m Besucher/in Bregenz (noch) nicht genau kennen sollte, lässt sich sehr gut nachvollziehen, wo die ersten Funde ausgegraben wurden. Ergänzend zum Film sind auf einer großen interaktiven Landkarte die Orte der Funde zu entdecken. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit sich weitere Informationen zur Arbeit der Archäologen/innen anhand verschiedener visueller, auditiver und schriftlicher Quellen einzuholen.

vm vorarlbeg museum

Raum 1, Foto: Markus Tretter

Das „Gräberfeld“ des Museums

Im nächste Ausstellungsbereich können Besucher/innen selbst Forscher/innen werden:  Die zwei Ausstellungsräume sind über eine Rampe verbunden. Vom „Vorraum“, wird der/die Besucher/in so in den nächsten Raum geleitet, welcher wie eine Ausgrabungsstätte wirkt. Hier gibt es einiges Auszuprobieren. Viele Stationen beschäftigen sich mit dem Leben der Römer in Vorarlberg. Eine Mischung aus originalen Funden, Nachbildungen und interaktiven Stationen ermöglichen sich sowohl spielerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen, als auch nähere Informationen darüber zu erfahren. An manchen Stationen kann versucht werden nach den Methoden der Archäologen/innen die Geschichte zu rekonstruieren, andere Bereiche bieten die Möglichkeit durch Spiele und Hands-On Objekte etwas über das Leben der Römer herauszufinden. Der etwas erhöhte Ausstellungsbereich ist von Ausgrabungen umkreist, die bereits fein säuberlich in Kartons verpackt und mit einem angenehmen Licht beleuchtet sind. Sie bilden einen schönen Kontrast zur der sehr farbigen Ausstellung. Die eigentlich dominanten Farbtöne orange und violett wirken, neben dem klassischen weiß beruhigend.

vm vorarlbeg museum

Raum 2, Foto: Markus Tretter

Ran an die Dinge aus der Vergangenheit!

In den „geöffneten Gräbern“ gibt es auch Skelette zu entdecken, welche die Besucher/innen einladen zur erforschen, wie die Menschen und ihre Geschichte rekonstruiert werden können. An den beigestellten Tafeln, welche die Anmutung von Grabdeckeln haben, sind Texte in kurzgefasster und in einer leichtverständlichen Sprache angebracht. Die Erläuterungen zu den Funden sind jedoch nur auf Deutsch verfügbar. Auch ohne das Lesen der vollständigen Objektbeschreibungen ist das Verstehen der Ausstellung möglich. Durch den simplen Textaufbau ist es auch Kindern im Schulalter möglich, ohne die Begleitung eines Erwachsenen die Ausstellung zu erkunden.

Neben Erklärungen und Rückschlüssen werden in den Texten weitere Fragen aufgeworfen, welche (noch) nicht beantwortet werden können. Die Ausstellungstexte über die altertümlichen Funde, wie etwa Schüsseln, Tassen, Haarspangen, Nadeln und Schuhen sind durch Aufgaben in der Ausstellung ergänzt. Die Objektauswahl ist schlüssig und ermöglicht einen einfachen Zugang zu den Lebensbereichen der Römerzeit. Die Ausstellung als Ausgrabungsstätte ist an Menschen gerichtet die “Spaß am Erforschen haben, insbesondere aber an Menschen mit Kinder”[1]. Es ist für jedes Alter etwas dabei: Puzzle, Verkleidungs-, Zeichen- und Hörstationen aber auch Rätsel. Die sehr interaktive Ausstellung kann wahlweise im Schnelldurchlauf, aber auch in einem sehr ausgedehnten Museumsbesuch erkundet werden.

vm vorarlbeg museum

Raum 3, Foto: Markus Tretter

Viele Alltagsgegenstände, die wir heute noch verwenden.

Die Relikte aus der Römerzeit in der Ausstellung sind ein Teil der größten Gräberfelder aus der Bodenseeregion. An den interaktiven Stationen kann nicht nur das Wissen getestet und erweitert werden. Schnell ist zu erkennen, dass viele Fragen einfach auch offen bleiben.

Sehr spannend ist auch der Vergleich von gegenwärtigen und vergangenen Alltagsgegenständen. Küchenutensilien können durch die Vitrine mit den heutigen verglichen werden, bei einer anderen Station haben jüngere und ältere Besucher/innen die Möglichkeit zudem selbst eine Küchen-Situation nachzuspielen. An einer weiteren Station, wird die Veränderung der Objekte im Laufe der Zeit nachgestellt. Zwischendurch können die Besucher/innen erproben ein Tuch mit einer nachgebildeten Ansteck-Nadel zusammenzustecken. In einem anderen Bereich ist es möglich durch das Verschieben von Türchen kleinere Alltagsgegenstände aus der Zeit der Römer mit den heutigen Objekten zu vergleichen. Ohne Interaktion verpasst man einiges – sich auf die Hands-On Stationen einzulassen ist nahezu unverzichtbar. Das Multimedia-Angebot setzt sich aus Videos, digitalen Bildern und Hörstationen zusammen. Das sprachliche Angebot reicht jedoch nicht über das Deutsche hinaus. Das Multimedia-Angebot punktet durch die leichte Bedienbarkeit – durch Knopfdruck und/oder Aufgreifen der Hörer kann gleich gestartet werden.

Für jedes Alter ist etwas dabei – ob ganz jung und noch fokussiert auf Sortieren, Ergänzen, Malen und Bilderrätseln oder etwas fortgeschrittener mit der Forderung nach Aufgaben wie  dem Verknüpfen und dem Aufwerfen von tiefgehenden Fragestellungen.

vm vorarlbeg museum

Interaktive Station, Foto: Markus Tretter

Vom bunten “Gräberfeld” ins Museum

Die Reihenfolge der Stationen, kann frei gewählt werden – eine bestimmte Vorgehensweise ist keine Voraussetzung. Die Ausstellung ist wie das gesamte Haus zugänglich für alle Besuchergruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Neben dem Treppenhaus führt auch ein Lift in die verschiedenen Stockwerke. Das Haus ist barrierefrei gestaltet.

Das Museum selbst wirkt durch die  naturbelassenen und hellen Farben, sowie der innenarchitektonischen Gestaltung, sehr einladend und offen. Die Beschriftungen und Wegweiser innerhalb des Gebäudes sind in gut-leserlicher Schrift an zielführenden Orten angebracht. Der Haupteingang ist ebenerdig und mündet in das Foyer, welches zugleich mit dem Museumsshop und dem Museumscafé verbunden ist. In derselben Etage befinden sich auch die Schließfächer.

 

Weitere Informationen zu den Römern, Ausgrabungen und dem Erforschen gibt es im Spiel „Suchen und Finden für Archäologinnen und Archäologen von 3 bis 99.“[2] zur Ausstellung.

 

Vorarlberg Museum, Bregenz

Kuratierung: Lisa Noggler-Gürtler

Wissenschaftliche Leitung: Gerhard Grabher

Gestaltung: Ursula Gillmann, Matthias Schnegg, Birgit Noij,
arge gillmann schnegg, Basel

 

 

[1] Noggler-Gürtler, Lisa “Römer oder so. Eine Ausstellung zum Gräberfeld in Brigantium.”, online: http://www.vorarlbergmuseum.at/ausstellungen/roemer-oder-so.html (30.01.2017).

[2] Ebd. (30.01.2017).

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