BIBEL+ORIENT MUSEUM in Fribourg – von Gina Moser

Bibel+Orient Museum in Fribourg – von Gina Moser

Das BIBEL+ORIENT Museum mit seiner 2014 neu gestalteten Dauerausstellung befindet sich in zwei Räumen innerhalb der Universität Fribourg. In 17 sorgfältig ausgeleuchteten Vitrinen sind rund 400 Ausstellungsstücke auf klassische Art, ähnlich einer Schausammlung präsentiert. Der erste Blick täuscht: Trotz der Übersichtlichkeit des Museums kann das Publikum hier problemlos Stunden verbringen.

Denn auf diesen wenigen Quadratmetern gehen Welten auf. Geschichten, die unsere Kultur prägen, werden neu erzählt. Erstaunliche Parallelen und Verbindungen von Jahrtausende alten Erzählungen werden handfest mit rund 400 sorgfältig ausgewählten Objekten illustriert. Diese stammen aus der kanaanäischen, der altorientalischen, der ägyptischen und der hellenistisch-römischen Kultur. Das älteste ist 500 000 Jahre alt. Nicht selten erkennen wir dadurch spannende Zusammenhänge – zum Beispiel die Parallelen zwischen dem Leben der Jungfrau Maria und dem der Himmelsgöttin Isis.

1_Bibel und Orient

BIBEL+ORIENT Museum der Universität Freiburg (CH). Bild: © Stiftung BIBEL+ORIENT Freiburg CH

Wie hätte ich mir diese Sicht auf die Bibel als Jugendliche gewünscht!
Anstelle des ländlich-bigotten Religionsunterrichts, den ich in den frühen 70er-Jahren erlebt habe, hätte mich eine interkulturelle Herangehensweise begeistert. Die Bibel über Bilder, archäologische Funde, tiefes Wissen über orientalische Kulturen und Sprachen kennenzulernen, die nicht zuletzt mit vielen lustigen Wirrnissen illustriert sind, die sich beim Übersetzen und Austausch über Raum und Zeit ergeben. In jedem ausgestellten Stück steckt Leben. Das wird dank dem Konzept nachvollziehbar, das Texte der Bibel mit der Umwelt verknüpft, in der sie entstanden sind. So wird bewusst, wie diese uralten Geschichten und Bildwelten unseren Alltag mitprägen. 14 Kuratorinnen und Kuratoren unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Schumacher entwickeln dieses Konzept laufend weiter, was sich auch in der sorgfältigen Erfassung der Sammlungsstücke in der Online Datenbank wiederspiegelt.

Symbole, die über die Kulturen hinweg verbinden.
Das gegenseitige Verständnis ist Othmar Keel, dem Gründer des Museums wichtig. Der katholische Theologe, Bibel- und Religionswissenschaftler sowie Ägyptologe steht mit seiner Forschung dafür ein, dass sich Religionen gegenseitig anerkennen und als gleichberechtigte Gesprächspartner begegnen. Das Konzept des Museums zeigt – mit hochwertigen Objekten – Gemeinsamkeiten und Bezüge von unterschiedlichen Religionen auf. Diese bestehen zum Teil sogar unabhängig davon, ob eine Religion eine oder mehrere Gottheiten verehrt. Traditionen über Raum und Zeit lassen sich in einer historischen Entwicklung nicht scharf voneinander abgrenzen. Diese inklusive Sichtweise ist ein grundlegender Beitrag zum Frieden. Diese Sichtweise gibt dem Museum eine klare Haltung, die sich das Publikum zu eigen machen oder etwas entgegensetzen kann. Das Konzept regt zu Diskussionen an und eröffnet dem Publikum eine neue Sicht auf unsere Kultur.

Das hat schon die Griechen interessiert.
Religion und Heilen ist eng verbunden. Wenn heute die Frage im Internet auftaucht, ob von Hunden geleckte Wunden rascher heilen, ist sie dieselbe, die sich die alten Griechen schon gestellt hatten.
Sie hätten dieselbe Antwort gegeben, wie «gutefrage» heute. Ein Hund in der Vitrine des Museums zeugt davon. Spannend ist die Verbindung vom Hund zur Schlange – beides Tiere, die die Unterwelt bewachen und Symbole der Heilkraft. Das und viel mehr habe ich in der Führung durch die Ausstellung erfahren.

Ein Ort zum Eintauchen
In grossen Museen kommt man manchmal gar nicht dazu sich zu vertiefen. Das BIBEL+ORIENT Museum lädt im Gegensatz dazu zur Vertiefung und zum genauen Hinschauen ein. Die Präsentation als Schausammlung passt bestens zur universitären Umgebung. Der Besuch des Museums ist während der kurzen Öffnungszeiten unter der Woche kostenlos und man kann sich selbständig in die Objekte und die in eher gehobener Sprache geschriebenen Texte (DE/FR) vertiefen, die man stehend vor den Vitrinen liest. Rascher zugänglich und sehr lebendig werden die Zusammenhänge mit einer Gruppenführung durch geschulte Fachpersonen (diplomierte Guides) der Universität Fribourg oder durch die Kuratoren, wie Florian Lippke, der uns geführt hat. Details siehe Website http://www.bible-orient-museum.ch/index.php/de/information/mitarbeitendeFür separat gebuchte Führungen öffnet das Museum auch ausserhalb der normalen Besuchszeiten.

Die Universität Fribourg
Das Museum ist ein universitäres Museum und basiert auf den neusten Erkenntnissen der Forschung. Nicht nur das Konzept des Museums ist weltoffen, auch das Universitätsgebäude wurde vor dem 2. Weltkrieg in innovativem internationalem Stil gebaut. Auf dem Universitätsgelände ist der Eingang zum Museum evtl. nicht ganz einfach zu finden. Das bietet aber auch gleich die Gelegenheit die hervorragende Architektur genauer zu betrachten. Vor Ort gibt es sicher Personen, die einem den Weg zum Eingang weisen können. Die Mensa der Universität übertrifft übrigens in Angebot und Qualität viele kulinarische Museumsangebote und steht den Musemsbesuchenden offen.

2_Luftbild

Die Universität liegt knappe 10 Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt. Sie ist von Denis Honegger einem Schüler von Le Corbusiers konzipiert und mit dem Freiburger Architekten Frederic Dumas umgesetzt und 1941 eingeweiht worden. Foto: Hauptgebäude Miséricorde nach Fertigstellung, aus: Urs Altermatt, Die Universität Freiburg auf der Suche nach Identität, 2009, @ unifr

In Fribourg sind weitere sechs Museen, mit spannenden Themen und zum Teil hochkarätigen Objekten zu entdecken. Auch die Stadt, die Kathedrale und die Poyabrücke sind ein Besuch wert. Kulinarisch und landschaftlich hat Fribourg ebenfalls vieles zu bieten.

 

 

BIBEL+ORIENT Museum

Universität Miséricorde

Avenue de l‘Europe 20

CH-1700 Freiburg

 

http://www.bible-orient-museum.ch

 

Kuratierung: Prof. Dr. Thomas Schumacher und die Fachkuratoren

Gestaltung: Othmar Keel (Leitung), Kuratorenteam (nach Zuständigkeit), Florian Lippke (Beratung Vitrinenbespielung generell), Leonardo Pajarola, (Ausstellungskonzept/Museografie) Université de Fribourg; Atelier Prin et Design NG Tornay, Fribourg (Projekt und Umsetzung)

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