Ein Museum voller Fussball-Emotionen – von Regula Wyss

Gesamteindruck

Im «FIFA WORLD Football Museum» in Zürich dreht sich erwartungsgemäss alles ums Thema Fussball. Unterstützt durch viel Multimediatechnik gleicht die permanente Ausstellung einer Erlebniswelt, die sich um den Fussball als Erfolgsgeschichte dreht. Die weltweit geläufige Botschaft «Fussball = Emotionen» vermitteln die Ausstellungsmacher überzeugend. Kritische Aspekte, an die man beim Stichwort FIFA unweigerlich auch denkt, fehlen in der Ausstellung allerdings ganz.

Neben grossen Videowänden, dynamischen Audiostationen, zahlreichen interaktiven Medienstationen und einem 180° Filmerlebnis bietet die Ausstellung auch zahlreiche Objekte aus der Welt des Fussballs. Diese bleiben, ob der medientechnischen Inszenierung aber stark im Hintergrund. Sogar das Highlight-Objekt, den goldenen WM-Pokal, übersieht man leicht, wenn nicht gerade eine Traube von Museumsbesuchern mit gezücktem Handy fürs Fotoshooting darum herum steht.

Fussballbegeisterte Anhänger finden in der Ausstellung auf den zweiten Blick trotz Multimedia eine Fülle an Exponaten, wie zum Beispiel Tricots von Fussballnationalmannschaften und persönliche Objekte vieler namhafter Fussballstars, sowie Sitze aus verschiedenen Fussballstadien der Welt.

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Die Ausstellung ist aufwändig inszeniert. FOTO: FIFA MUSEUM

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Multimediale Vermittlungselemente und hinterleuchtete Bilder ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich. FOTO: FIFA MUSEUM

Servicequalität

Die Servicequalität lässt nichts zu wünschen übrig. Schon die Website bietet übersichtliche Informationen zum Museum, zu Anfahrtsmöglichkeiten, zu Events und Gastronomie. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das «FIFA WORLD Football Museum» bestens zu erreichen. Es liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof Enge in Zürich entfernt. Die Besucher werden in grosszügigen Räumen freundlich empfangen. Toiletten und Schliessfächer sind in genügender Zahl vorhanden, Bistro und Shop sind professionell geführt und laden zum Verweilen ein.

Roter Faden

Die Ausstellung ist als dramaturgisch abgestimmter Rundgang konzipiert, bei dem ich als Besucherin klar geführt werde. Innerhalb dieser Struktur wählen alle Besucherinnen und Besucher selbst, wie lange sie bei welchen Exponaten oder interaktiven Stationen verweilen. Je nach Besucherandrang entsteht allerdings ein Stau bei den besonders beliebten, interaktiven Mitmach-Stationen, wie zum Beispiel dem Fan-Tanz. Hier wählt man einen Fan-Tanz einer Mannschaft. Auf einem Bildschirm tanzt ein Spieler vor. Als Besucher ahme ich die Bewegungen nach. Mittels Sensoren wird meine Performance erfasst und bewertet.

Was sucht man vergebens?

Wer interessiert ist an der Kulturgeschichte des Fussballs oder an thematischen Vertiefungen jenseits von Fussball-Lexikon-Wissen, der wird in der Ausstellung nicht fündig. Eine Einbettung der Fussballgeschichte in den zeitgenössischen, gesellschaftlichen Kontext fehlt ganz. Wer erwartet hat, Antworten auf seine kritischen Fragen zu finden, wird ebenfalls enttäuscht. Ausstellungsteile, die zur Reflexion über kontroverse Themen einladen, wie beispielsweise die Kommerzialisierung des Fussballs, fehlen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den in den Medien immer wieder präsenten Korruptionsvorwürfen an FIFA-Funktionäre findet in der Dauerausstellung nicht statt. Das «FIFA World Football Museum» hat selbst den Anspruch, kritische Aspekte zur Rolle des Fussballs in der Gesellschaft in Sonderausstellungen und Veranstaltungen aufzugreifen. Allerdings bleibt dies eindeutig Nebensache. Schon auf der Website sind selten Hinweise auf solche Veranstaltungen zu finden. Der Frauenfussball ging bei der Einrichtung des Museums vergessen. Seither sind die Verantwortlichen dran, die Dauerausstellung nach und nach um Exponate und Bilder zur Geschichte des Frauenfussballs zu ergänzen.

Eine interaktive Attraktion für grosse und kleine Kinder ist der «Fussball-Flipperkasten». FOTO: FIFA MUSEUM

Eine interaktive Attraktion für grosse und kleine Kinder ist der «Fussball-Flipperkasten». FOTO: FIFA MUSEUM

Was sticht hervor?

Besonders hervorzuheben gilt es den Hauptfilm auf der 180°-Leinwand, der die Botschaft «Fussball=Emotionen» in acht Minuten filmtechnisch überzeugend auf den Punkt bringt. Spannend wären hier Informationen zum «Making of» des Films. Ohne Führung erfährt man zum Beispiel nicht, dass hier Szenen aus allen auf Film festgehaltenen (Männer-) Fussball-Weltmeisterschaften in der Dramaturgie eines einzelnen Fussballmatches verdichtet wurden. Ein interaktives Highlight insbesondere für kleine und grosse Kinder ist der lebensgrosse «Fussball-Flipperkasten» im Obergeschoss. Hier übernimmt das Museum die Rolle eines Indoor-Spielplatzes, der für Mehrfachbesuche sorgt.

Autorin: Dr. Regula Wyss, Alpenweg 26, CH-3110 Münsingen

FIFA world football museum, Zürich

Gestaltung: TRIAD Berlin Projektgesellschaft mbH

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